🔗 Lesen Sie das vollständige Urteil des Landesgerichts Turin
Künstliche Intelligenz kann bei unsachgemäßem Einsatz zu einem rechtlichen Risiko für Anwälte werden.
Das geht aus dem Urteil des Landesgerichts Turin vom 16. September 2025 hervor. Es verurteilte eine Antragstellerin wegen verschärfter Haftung gemäß art. 96, comma 3 e 4, c.p.c., weil sie KI zur Erstellung eines Antrags verwendet hatte, der als „offensichtlich unbegründet“ und als „bösgläubig oder grob fahrlässig“ verfasst beurteilt wurde.
Der Einsatz von KI in Anträgen. Wann er gefährlich ist
Im vorliegenden Fall hatte die klagende Partei gegen eine Reihe von Zahlungsbescheiden Einspruch erhoben. Dazu hatte sie einen Antrag eingereicht, der, wie im Urteil zu lesen ist,
Verurteilung wegen verschärfter Haftung. Welche Folgen sie hat
Aus diesen Gründen wies das Gericht den Antrag nicht nur ab, sondern sprach auch eine zweifache Verurteilung zur Zahlung von Geldbeträgen aus:
- € 500 für jede beklagte Partei gemäß art. 96, c. 3, c.p.c.
- € 500 als zusätzliche Sanktion gemäß art. 96, c. 4, c.p.c.
Dieses Urteil ist ein wichtiger Präzedenzfall für Anwälte, die sich bei der Erstellung gerichtlicher Schriftsätze ganz oder teilweise auf allgemeine Tools mit generativer künstlicher Intelligenz wie ChatGPT oder ähnliche Systeme verlassen.
Künstliche Intelligenz und die Sorgfaltspflicht des Anwalts
Die Botschaft der Justiz ist klar. Der Anwalt bleibt für den Inhalt der eingereichten Schriftsätze voll verantwortlich, auch wenn sie mit Unterstützung von KI erstellt wurden. KI-Tools können die professionelle Beurteilung unterstützen, aber nicht ersetzen. Die im Anwaltsberuf erforderliche Sorgfaltspflicht entfällt nicht. Ein sorgloser Einsatz automatisierter Tools kann zu schweren Sanktionen führen.
Es reicht daher nicht aus, Rechtsnormen oder Präzedenzfälle zu zitieren. Erforderlich ist eine schlüssige, einschlägige und auf den konkreten Fall bezogene Darstellung.
Wie Sie KI regelkonform und sicher einsetzen
Anwälte, die künstliche Intelligenz in ihre berufliche Praxis integrieren möchten, müssen bewährte Vorgehensweisen anwenden, um rechtliche Folgen zu vermeiden:
- Quellen immer überprüfen. Allgemeine KI-Systeme können „juristische Halluzinationen“ erzeugen.
- Die Kontrolle über die Ausarbeitung behalten. Der Anwalt bleibt für den Inhalt und die rechtliche Richtigkeit des Schriftsatzes verantwortlich.
- Allgemeine KI-Systeme für gerichtliche Schriftsätze vermeiden, insbesondere wenn die verarbeiteten Daten sensibel sind oder der anwaltlichen Verschwiegenheit unterliegen.
- Spezialisierte und zertifizierte juristische Tools verwenden, die Rückverfolgbarkeit und die Einhaltung der Berufsregeln gewährleisten.
Fazit. Ein wegweisender Präzedenzfall
Das Urteil des Landesgerichts Turin ist eine klare Warnung. Der Einsatz künstlicher Intelligenz in gerichtlichen Verfahren muss mit Sorgfalt, Kompetenz und Verantwortung erfolgen. Das Risiko besteht nicht nur darin, den Prozess zu verlieren, sondern auch in einer Verurteilung wegen verschärfter Haftung mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen und Auswirkungen auf den Ruf.
